Zusammenarbeit mit einer Bürgeraktiengesellschaft

Kurz erklärt

Als neuartiges bürgerschaftliches Finanzierungsmodell gibt es Bürgeraktiengesellschaften. Sie bündeln als Intermediäre (Vermittler) das Kapital von Bürger*innen und investieren dann in verschiedene Unternehmen der ökologischen Lebensmittelwirtschaft. Damit möchten sie zum einen die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen oder auch Neugründungen ermöglichen – zum anderen soll aber auch die regionale Vernetzung der Unternehmen gestärkt werden und eine ökologische und soziale Rendite für die Region erbracht werden. Die Bürgeraktiengesellschaften haben dabei einen mehr oder weniger streng definierten regionalen Wirkungskreis. Derzeit (Stand: März 2020) gibt es sechs Regionen in Deutschland: Freiburg, Isar-Inn, Hamburg, Rheinland, Berlin-Brandenburg und Frankfurt am Main. Drei weitere Initiativen befinden sich in Vorbereitung: Bodensee Oberschwaben, Bayreuth Oberfranken und Weser. Es gibt bei der Auslegung der regionalen Grenzen meist jedoch einen gewissen Spielraum. Bis auf Frankfurt am Main gehören alle genannten Initiativen zum Regionalwert-AG-Kreis.

Die Bürgeraktiengesellschaften beteiligen sich in unterschiedlicher Form an Ihrem Unternehmen. Für das bereitgestellte Kapital werden Zinsen fällig. Um eine Finanzierung umzusetzen, erwarten die Bürgeraktiengesellschaften ein gewisses Engagement im Netzwerk. Zudem ist es notwendig, dass Sie als Partnerunternehmen Ihr Investitionsprojekt mit einem Finanzierungsplan darstellen. Die Entscheidung über die Finanzierung trifft dann ein Auswahlgremium. Einige dieser AGs bieten Unternehmen auch eine Mitgliedschaft an, ohne dass direkt ein Investitionsprojekt umgesetzt wird.

Die Bürgeraktiengesellschaft übernimmt bei diesem Finanzierungsansatz die Suche nach Investor*innen. Trotzdem ist es hilfreich, wenn Ihr Unternehmen bestehende Kontakte bzw. Netzwerke mitbringt. Wenn Ihr Unternehmen über eine Regionalwert AG finanziert wird, ist es zudem erforderlich, dass Sie einen Nachhaltigkeitsbericht für Ihr Unternehmen erstellen bzw. erstellen lassen.


Rechtliche Hinweise

Die Bürgeraktiengesellschaft baut ihr Kapital durch den Verkauf von Aktien, d. h. durch verbriefte Gesellschaftsanteile auf.

Die Beteiligung durch die Bürgeraktiengesellschaft an Ihrem Unternehmen kann auf sehr unterschiedliche Weise erfolgen. Dies hängt zum einen von der Art des Investitionsprojekts und zum anderen von der jeweiligen Bürgeraktiengesellschaft ab. Häufig sind es typische stille Beteiligungen, bei denen die Aktiengesellschaft (AG) keinen Anteil an der Wertsteigerung Ihres Unternehmens hat. Die Beteiligung kann aber auch in Form von Gesellschafteranteilen mit Stimme – z. B. als Kommanditist in einer Kommanditgesellschaft (KG) oder in Form von atypischen stillen Beteiligungen – erfolgen. Beim Kauf von Immobilien und Land kann dies mit einem Grundschuldeintrag bei Ihrem Unternehmen zugunsten der AG verbunden sein.


Häufig genutzt für:

Finanzierungssummen Die Finanzierungssummen in den Bürgeraktiengesellschaften liegen meist im fünfstelligen, mitunter auch sechsstelligen Bereich.
Häufige Beweggründe Neben dem Zugang zur Finanzierung steht auch die Einbindung in das Netzwerk der Partnerunternehmen im Vordergrund. Die Unternehmen können dadurch Erfahrungen austauschen und neue Geschäftspartnerschaften entwickeln.
Phase der Unternehmensentwicklung Eine Finanzierung über eine Bürgeraktiengesellschaft wird sowohl von Unternehmen in der Gründungsphase als auch von bestehenden Unternehmen genutzt.
Sektor Eine Finanzierung über Bürgeraktiengesellschaften ist für alle Sektoren entlang der Wertschöpfungskette für ökologische Lebensmittel möglich: Landwirtschaft, Garten- und Weinbau, aber auch in der Verarbeitung und im Handel.
Gegenleistung Die finanzierten Unternehmen zahlen Zinsen auf das eingesetzte Kapital. Aus den Erträgen kann die Bürgeraktiengesellschaft eine Rendite an die Investor*innen zahlen. Es gibt auch Ansätze, bei denen Investor*innen Rabatte in Höhe von 2 bis 10 % auf Einkäufe in den Partnerunternehmen erhalten.

Kosten und Aufwand

Als Unternehmen zahlen Sie Zinsen auf das eingesetzte Kapital. Zudem wird bei einigen Bürgeraktiengesellschaften ein Mitgliedsbeitrag erhoben. Die Höhe hängt meist vom erzielten Jahresumsatz ab.

Im Vergleich zu anderen Modellen müssen Sie bei einer Finanzierung über eine Bürgeraktiengesellschaft mit etwas weniger Aufwand rechnen, da die AG viele Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit und der Gewinnung neuer Investor*innen übernimmt. Es wird jedoch erwartet, dass Sie sich im Netzwerk engagieren. Als Partnerunternehmen der Regionalwert AGs müssen Sie zudem jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht für Ihr Unternehmen erstellen.


Vor- und Nachteile

Vorteile
  • Zugang zu neuen Netzwerken
  • Investitionskosten/Schulden sind bei einer Institution gebündelt
  • Aktiengesellschaft übernimmt die Verwaltung und einen Großteil der Kommunikationsarbeit
  • Längerfristige Kooperation mit der intermediären Bürgeraktiengesellschaft ist gewünscht, kann auch zur Finanzierung weiterer Investitionen führen
Nachteile
  • Wenig direkter Kontakt zu Investor*innen
  • Teilweise längere Fristen bis zur Realisierung einer Finanzierung

Erfolgsfaktoren


Übersicht der bestehenden Bürgeraktiengesellschaften

  • Die erste Regionalwert AG, gegründet 2006
  • 24 Partnerunternehmen

  • Gegründet 2011
  • Region erstreckt sich vom unteren Isartal bis zum oberen Inntal
  • Bisher 6 Partnerunternehmen

  • Ist als Bürger-AG die einzige, die nicht zu den Regionalwert AGs gehört, gegründet 2011
  • Partnerbetriebe im Umkreis von 150 km um Frankfurt am Main
  • Bietet über eine Regionalkarte Investor*innen Rabatte beim Einkauf in Partnerunternehmen an

  • Gegründet 2016
  • Bietet über Lizenzmodell Mitgliedschaft im Netzwerk an

  • Gründung im März 2014
  • Bietet über Lizenzmodell Mitgliedschaft im Netzwerk an
  • Region Nordostniedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg

  • Gegründet 2018
  • Eine Partnerschaft ohne Finanzierung ist auch möglich

  • Bietet einen Überblick über alle Regionalwert AGs, auch der Initiativen in Vorbereitung

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